Projekt 172

Einrichtung einer Gedenkstätte für das ehemalige Lager für Zwangsarbeiter bei der MAN

Träger: Stadt Ginsheim-Gustavsburg

In den Jahren 1940 bis 1945 waren bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN), im Werk Gustavsburg, rund 2.500 Zwangsarbeiter beschäftigt. Sie waren in Holzbaracken im Lager „Im Rosengarten“ untergebracht. Das Lager war in ein Westarbeiter- und ein Ostarbeiterlager unterteilt. Die rund 700 Zwangsarbeiter und -arbeiterinnen aus dem Osten lebten dort unter menschenunwürdigen Bedingungen und waren häufig Gewalt und Misshandlungen ausgesetzt. Die Gestapo hatte durch den Werksschutz die Macht über die Lagerbewohner, die sie brutal ausnutzte. Die Gestapo war auch dafür verantwortlich, dass im März 1945 alle Fremdarbeiter ohne Wissen der Vorgesetzten nach Darmstadt und Griesheim abtransportiert wurden. Die Ostarbeiter kamen auf einen Sammeltransport nach Russland. Ihr Schicksal ist unbekannt.

Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Ginsheim-Gustavsburg hat am 13. November 2014 beschlossen, dass in der Stadt eine Gedenkstätte errichtet wird, mit der an die ehemaligen Zwangsarbeiter erinnert wird.

Zur Erarbeitung eines Konzepts wurde im Jahr 2017 eine Arbeitsgruppe bestehend aus Vertretern der politischen Fraktionen, der Geschäftsführerin des Gründungszentrums TIGZ, einer Studentin und dem Stadtschreiber von Ginsheim-Gustavsburg, gegründet. Die Arbeitsgruppe plant, auf einem Platz in der Wilhelm-Leuschner-Straße neben der evangelischen Kirche im Stadtteil Gustavsburg Gedenktafeln zu installieren, die alle Fakten zu den Ereignissen der Zwangsarbeit bei der MAN, die Schicksale einzelner Personen sowie das Verhalten von Angestellten des Werks und von Bürgerinnen und Bürgern bildlich und textlich darstellen. Damit soll ein umfassender Überblick über die damalige Situation aus verschiedenen Blickwinkeln ermöglicht werden.

Über die Informationen auf den Tafeln auf dem Platz an der Kirche hinaus sollen an weiteren Orten in der Stadt Informationstafeln angebracht werden. Auf den Schildern, sowie auf den Tafeln auf dem Platz, soll jeweils über einen QR-Code auf die digitalen Informationen verwiesen werden, die auf der Homepage der Stadt eingestellt werden.
Mit der Erarbeitung der Inhalte und den damit verbundenen Recherchearbeiten in den Staatsarchiven und im Archiv der MAN ist die Historikerin Frau Christine Hartwig-Thürmer beauftragt. Sie ist Autorin des Buches „Die Mainspitze unterm Hakenkreuz“, in dem auch über die Zwangsarbeiter bei der MAN berichtet wird.

Das Projekt wird von der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region mit 10.000 € bezuschusst.