Projekt 260
80 Jahre Echo der Erinnerung: Ein Requiem für Auschwitz
Dieses Projekt wurde im Dezember 2025 abgeschlossen.
Träger: Philharmonischer Verein der Roma und Sinti e.V., Frankfurt am Main
Ausgangspunkt und Zielsetzung des Projekts
Mit dem Projekt „80 Jahre Echo der Erinnerung – Ein Requiem für Auschwitz“ realisierte der Philharmonische Verein der Roma und Sinti e.V. im Herbst 2025 ein vielschichtiges Kultur- und Bildungsprojekt, das sich dem 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz widmete. Der historische Bezugspunkt des Projekts war der 27. Januar 1945, der heute als internationaler Holocaust-Gedenktag eine zentrale Bedeutung für die europäische Erinnerungskultur besitzt.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen – insbesondere an die Verfolgung und Ermordung der Roma und Sinti – heute weitergetragen werden kann. Dabei wurde ausdrücklich auch der Begriff des Samudaripen (Völkermord an den Roma und Sinti im Nationalsozialismus) als zentrale historische und erinnerungspolitische Bezeichnung einbezogen. Mit zunehmendem zeitlichem Abstand und dem Verschwinden der letzten Zeitzeug*innen gewinnt diese Frage an besonderer Dringlichkeit. Erinnerung darf nicht zu einem bloßen Ritual werden, sondern muss immer wieder neu vermittelt, künstlerisch übersetzt und gesellschaftlich verankert werden.
Das Projekt verfolgte daher einen bewusst interdisziplinären Ansatz. Musik, Film, wissenschaftlicher Diskurs und persönliche Begegnung wurden miteinander verbunden, um unterschiedliche Zugänge zur Geschichte zu eröffnen. Ziel war es, Erinnerung nicht nur als historische Rückschau zu begreifen, sondern als lebendigen Prozess: als kulturelle, gesellschaftliche und politische Verantwortung.
Besonderes Anliegen war es, die Geschichte der Roma und Sinti im Holocaust sichtbarer zu machen, antiziganistische Kontinuitäten zu thematisieren und zugleich die kulturelle Kraft und künstlerische Exzellenz der Roma- und Sinti-Kultur öffentlich erfahrbar zu machen. Das Projekt knüpfte damit unmittelbar an die Ziele des Orchesters an: kulturelle Sichtbarkeit zu stärken, Vorurteile abzubauen, Bildungsarbeit zu leisten und nachhaltige Brücken zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft zu schaffen.
Durchführung der einzelnen Veranstaltungen
Das Projekt fand im Zeitraum vom 22. Oktober bis 7. November 2025 statt und umfasste mehrere aufeinander abgestimmte Veranstaltungen. Diese bauten inhaltlich aufeinander auf und ermöglichten dem Publikum unterschiedliche Zugänge zur Thematik: über Film, Musik, wissenschaftliche Reflexion, Gespräch und Konzert.
Zielerreichung und Wirkung
Die im Projekt formulierten Zielsetzungen konnten in hohem Maße erreicht werden.
Ein zentrales Ziel war die Stärkung der Erinnerungskultur. Dies gelang durch die bewusste Verbindung von künstlerischen, wissenschaftlichen und dialogischen Formaten. Das Projekt machte deutlich, dass Erinnerung nicht eindimensional vermittelt werden muss, sondern durch unterschiedliche Ausdrucksformen vertieft werden kann: Musik ermöglichte emotionale Erfahrung, Film bot dokumentarische und biografische Zugänge, Diskussionen eröffneten Reflexion und Einordnung.
Ein weiteres wesentliches Ziel war die Sichtbarmachung der Geschichte der Roma und Sinti. Das Projekt leistete hierzu einen wichtigen Beitrag, indem es die Perspektive der Roma und Sinti konsequent ins Zentrum stellte – nicht nur als historische Opfergruppe, sondern auch als aktive Träger*innen von Kultur, Erinnerung und künstlerischer Gestaltung.
Auch im Bereich der Bildungsarbeit wurden wichtige Fortschritte erzielt. Die verstärkte Beteiligung junger Menschen, insbesondere Studierender, zeigt, dass das Projekt erfolgreich neue Zielgruppen angesprochen hat. Gerade die öffentliche Generalprobe und die universitäre Veranstaltung erwiesen sich als besonders geeignet, um Wissen, Reflexion und Begegnung miteinander zu verbinden.
Darüber hinaus trug das Projekt zur Sensibilisierung gegenüber Antiziganismus bei. Durch die Verbindung von historischer Erinnerung und gegenwärtiger gesellschaftlicher Verantwortung wurde deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte der Roma und Sinti nicht abgeschlossen ist, sondern weiterhin aktiver Bildungs-, Kultur- und Aufklärungsarbeit bedarf.
Ein besonders wichtiger Erfolg liegt in der Erweiterung nachhaltiger Netzwerke. Neben bestehenden Unterstützungsstrukturen konnten neue Kooperationspartner gewonnen und Beziehungen vertieft werden. Hervorzuheben ist insbesondere die Zusammenarbeit mit dem Fritz Bauer Institut und Prof. Dr. Sybille Steinbacher. Darüber hinaus konnten auch Kooperationen mit dem Hessischen Rundfunk (HR), insbesondere im Rahmen des
Abschlusskonzerts und der späteren Rundfunkausstrahlung, sowie mit der VHS Frankfurt am Main im Bereich der kulturellen Bildungsarbeit erfolgreich umgesetzt werden.
Ebenfalls hervorzuheben ist die Zusammenarbeit mit der Heinrich-Böll-Stiftung, vertreten durch Katharina Hein, die die Veranstaltung im Stadthaus moderierte und damit einen wichtigen Beitrag zur inhaltlichen Vermittlung und Einordnung leistete.
Diese Kooperationen stärken die kulturelle, wissenschaftliche und mediale Vernetzung des Projekts und bilden eine wertvolle Grundlage für zukünftige gemeinsame Vorhaben im Bereich Erinnerungskultur, Bildungsarbeit und gesellschaftlicher Dialog.
Insgesamt konnte das Projekt dazu beitragen, neue Publikumsgruppen zu erschließen, gesellschaftliche Sichtbarkeit zu erhöhen, kulturelle Teilhabe zu stärken und die Roma- und Sinti-Kultur als wichtigen Bestandteil europäischer Kulturgeschichte sichtbar zu machen.
Das Projekt wurde von der Stiftung Flughafen Frankfurt/Main für die Region mit 26.225,30 € bezuschusst.
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